Reiseberichte
9. Jordanien oder der Weg der Steinigung
Der Gegenwind und auch der Grenzübergang haben mich einige Zeit gekostet, so schaffe ich es gerade noch in die erste Stadt und suche eine Zeltplatz sobald sich die Häuserreihen ein bisschen lichten und ich einen kleinen Olivenhain erblicke. Doch schon bald werde ich aufgefordert im Haus zu schlafen, da es draussen sehr „gefährlich“ sei. Ich lande bei den scheinbar reichsten Leuten die mich bisher eingeladen hat und ständig kommen Verwandte und Nachbarn zum Tee trinken vorbei. Gegen 9 Uhr abends bin ich dann in eine Ecke gedrängt, umgeben von vier jungen Frauen die mich zum Islam bekehren wollen und ich soll ständig irgendwelche Gebete wiederholen bis sie dann entzückt sagen ich sei nun konvertiert. Sie beteuern mir auch dass sie 5 mal am Tag beten und jeden Tag im Koran lesen. Ich stelle mich dann müde und sage dass ich schlafen möchte um dem Horror endlich zu entgehen. Nach dem Frühstück wird dann noch sehr viel Essen für mich gepackt und ich erlaube dem Sohn eine Runde mit meinem Rad zu drehen, gebe ihm aber zu verstehen dass er auf mich warten soll. Doch dem war nicht so. Mit Schrecken stelle ich fest dass er das ganze Gepäck abgeladen hat und verschwunden ist. Ich eile im Quartier herum um ihn zu suchen. Freundestrahlend fährt er auf mich zu, umgeben von seinen Kollegen und er ist ein Held. Doch ich bin stinkesauer und werde ziemlich unfreundlich und gehe mit meinem Rad zurück zum Haus wo ich umgehend mit packen beginne um so schnell wie möglich von hier zu verschwinden. Nach einigen km hat sich meine Wut ein bisschen gelegt und werde sogar von einem Polizeiauto welches am Strassenrand steht zum schmunzeln gebracht, denn ich werde via Lautsprecher mit „welcome to Jordan“ begrüsst. Trotzdem beschliesse ich von nun an wieder zu zelten, denn ich brauche endlich etwas Ruhe und Zeit für mich. Bald werde ich beim Kingshighway sein, ich habe schon einiges darüber im „Lonely Planet Reiseführer“ gelesen und bin gespannt wie es sein wird. Ich habe unterdessen gelernt dass meistens übertrieben wird, so langsam wird mir dieser Reiseführer ziemlich unsympatisch. In einem kurzen Bericht wird erwähnt dass es am Nachmittag wenn die Kinder aus der Schule ist fast unmöglich sei zu radeln denn ständig wird man mit Steinen beworfen. Auch wird empfohlen diesen Highway mit max. 18kg Gepäck in Angriff zu nehmen. Zeltutensilien seien nicht nötig da man jeden Abend eine Stadt erreichen könne und im Hotel schlafen kann. Meine Last die ich zu bewegen habe liegt schätzungsweise mit Wasser und Essen bei 35-40kg. Eigendlich mache ich mir nur ein bisschen Sorgen wegen den zwei tiefen Wadi's (Flusstäler) die ich durchqueren muss und dabei mehrere 100 Höhenmeter runter und gleich darauf wieder rauf fahren muss. Denn auch hier in Jordanien sind viele Steigungen extrem steil. Scheizer Pässe sind eine Erholungsfahrt dagegen. Gleich zu Beginn der Kingshighways kommt es dann aber schon zum ersten Steinewerfen. Eine Gruppe Jungs versucht mich mit Gesten anzuhalten und ich sehe ihnen an dass sie mir nicht allzu freundlich gesinnt sind. Ich mache keine Anstalten anzuhalten und behalte mein Tempo bei und versuche ihnen anzuhalten. Und tatsächlich fragen sie nach Geld und sie versuchen mich vom Rad zu reissen, doch ich entkomme ihnen und werde danach noch mit kleinen Steinen beworfen. Doch dies sollte zum Glüch das einzige dieser Erlebnisse sein bis nach Petra.Nach meiner Schätzung sollte eigendlich bald das erste Wadi kommen, doch ganz unerwartet eröffnet sich vor meinen Augen plötzlich ein fast schluchtartiges Tal. Die Abfahrt ist sehr angenehm und ziemlich lange, doch mir bangt schon ein wenig vor dem kommenden Anstieg. Obwohl ich mir eigendlich im Balkan geschworen habe keine Mitfahrgelegenheit mehr zu nutzen werde ich hier mein Glück versuchen. Doch bei drückenden 25 Grad fahre ich in der prallen Sonne etwa 1/3 selber hoch bis ich von einem Lastwagen mitgenommen werde. Machbar wär es schon gewesen aber ich bin doch froh darüber, denn auch so strample ich täglich unendliche Höhenmeter. In der nächsten Stadt begebe ich mich auf die Suche nach Essen, denn ich war ein bisschen unvorsichtig gewesen und nicht viel zu knabbern dabei. Bei einer Bäckerei stopfe ich mich dann mit Minipizzas und anderen gefüllten Teigtaschen voll. Einige bekomme ich zum probieren geschenkt. Und als ich mich umschaue wo ich etwas zu trinken kaufen kann kommt schon jemand über die Strasse geeilt und drückt mir ein Fruchtsaft in die Hand. Doch während dem essen kommt ein alter Mann und will unbedingt mit mir reden. Ich ahne nichts gutes und ich probiere ihn so gut es geht zu ignorieren und schaue meist auf den Boden und drehe mich demonstativ weg von ihm. Doch er lässt sich nicht so leicht abwimmeln und schliesslich wedelt er mit der Hand vor seinem Schritt herum. Ich erkenne diese Geste nur zu gut, denn es ist nicht das erste mal. Nur finde ich es dieses mal extrem dreist dass er mich zum Sex auffordert obwohl wir uns mitten unter Leuten befinden. Erstaunlich ist dass die meisten dieser Männer 50 oder älter sind... Gestärkt von meinem Mahl mache ich mich auf die Weiterfahrt, auch habe ich die Zwischenzeit genutzt um meinem mp3-Player wieder ein bisschen aufzuladen. So erreiche ich am gleichen Tag noch das zweite Wadi. Unten angekommen stelle ich fest dass hier sehr viele Beduinen ihre Zeltlager aufgestellt haben und mich verstecken hat keinen sinn. So nehme ich gerne eine Teeeinladung an und bleibe dort gleich für die Nacht. In einem Feuer aus Kuh oder sonstigen Fladen wird unterdessen ein grosses, flaches Brot gebacken. Danach wird es verkrümelt und mit einer Suppe zu einem Brei vermengt und alles auf einer grossen Platte angerichtet. Jeder isst mit seinen Händen und arbeitet sich bis zur Mitte vor, aber lassen meinen Bereich in Ruhe und erst als ich fertig bin teilen sie sich den Rest. Danach ist Teetrinken und Kartenspielen angesagt und mithilfe eines Mannes begreife ich ziemlich schnell. Plötzlich ist Aufbruchstimmung und ich bleibe alleine zurück. Da in der Nacht ein Sturm aufziehen soll fordern sie mich auf in der Hütte und nicht in meinem Zelt zu schlafen. Und tatsächlich, gegen Mitternacht beginnt es heftig zu winden und Blitze erhellen die Dunkelheit. Bald setzt auch noch Regen ein. Am morgen ziehe ich dann wieder mal meine Regenkleidung an und beginne mit dem Aufstieg, doch nach wenigen Minuten hält ein Lastwagen und nimmt mich mit. Wegen dem schlechten Wetter und der Kälte möchte er mich unbedingt bis nach Petra fahren und so beginnt ein Handeln um Kilometer. Schlussendlich können wir uns auf eine Stadt zwischen seinem Haus und meinem Ziel einigen. Bei heftigem Gegenwind erreiche ich schliesslich am späten Nachmittag erschöpft Petra. Dort treffe ich auch Caroline und Sven, ein deutsches Pärchen die seit knapp zwei Jahren in der Welt herumradeln und sich nun auf dem Heimweg befinden. Zusammen verbringen wir die nächsten Tage mit Sightseeing in Petra. Allerdings sind wir alle ein bisschen enttäuscht. Sehr hohe Eintrittspreise und auch die Gebäude bestehen meist nur aus gewaltigen Fassaden mit einem einfachen Raum dahinter. Ich denke ich habe mir mehr erhofft wegen dem Indiana Jones Film, dabei reitet er durch eine Schlucht und plötzlich taucht eine reichverzierte Fassade auf. Im Film geht er durch das Portal und befindet sich in einem mit Spinnennetzen verhangenen Labyrinth aus Räumen. Naja, in Hollywood wird eben alles zurechtgebastelt. Das schönste daran fand ich die verschiedenfarbigen Steinsschichten. Von Ocker, Beige, über alle Rosatöne bis hin zu Violet war alles zu finden. Mit dem Bus geht es dann nach Akaba ans rote Meer mit Sven und Caroline, da sie dort ihre Räder gelassen haben. Zusammen werden wir am toten Meer entlang bis Damaskus fahren. Nachdem ich in den letzten Tagen immer mit Gegenwind zu kämpfen hatte genoss ich es nun mal den Wind im Rücken zu haben. Alle drei Räder waren vollgepackt mit Gemüse und Wasser um für die wenig besiedelte Wüste bewappnet zu sein. Immer wieder gab es Checkpoints, denn die Strasse verlief wenige km parallel der israelischen Grenze. Auch Wachtürme waren überall zu sehen und ich war mir sicher dass wir beobachtet wurden. Um dies zu testen habe ich gewunken und tatsächlich wurde auch zurückgewunken. Schon als Kind habe ich mir vorgestellt wie lustig es sein muss im toten Meer zu liegen und Zeitung zu lesen, nun endlich konnte ich es ausprobieren. Bei Sonnenaufgang gingen wir an den Strand, das Wasser war erstaunlich warm und fühlte sich wegen dem hohen Salzgehalt sehr ölig an. Nach einem kurzen Bad gings dann ab unter die Dusche um das Salz abzuwaschen. Kurz vor dem toten Meer veränderte sich die Landschaft, überall wurde bewässert und Gemüse gepflanzt. Je weiter wir nach Norden kamen je mehr Landwirtschaft wurde betrieben bis bald alles unter Plastikgewächshäusern verschwand. Viele Nordafrikaner waren hier anzutreffen als Saisonarbeiter und sie lebten in kleinen Barracken gleich neben den Bepflanzungen. Die Stimmung wurde agressiver. Dies lag vielleicht an der Nähe zu dem von Jordanien verhasste Israel oder an den vielen Immigranten. Von nun an wurden wir oft von Kindern mit Steinen beworfen. mit der Zeit haben wir ein Spiel daraus gemacht und hielten neben den Kindern an, denn es war einfach vorauszusehen was sie im Schilde führten. Wenn wir auf ihre Hände zeigten liessen sie beschämt die Steine hinter ihren Rücken fallen. Falls doch Steine nach uns geworfen wurden bremsten wir abrupt ab und jagten die Kinder mit den Rädern. Obwohl wir nicht wussten wer der Schuldige war halfen und die Kinder und zeigten auf denjenigen. Wir taten das solange bis ein Erwachsener mitbekam was passierte und das Kind scholt. Bei all den Steinigungen wurde ich nur zwei mal getroffen. So schlecht wurde gezielt und die Steine waren klein. nun war es wieder an der Zeit von der Depression des toten Meeres von -400 Meter auf das Plateau auf 1000müM anzusteigen. Auf einer kleineren Strasse genossen wir diese Fahrt, obwohl auch immer wieder Abfahren folgten die uns noch mehr Höhenmeter zurücklegen liess. Bei einer extrem steilem Aufstieg hatten Sven und ich die gleiche Idee und hängten uns bei einem schwerbeladenen, langsam fahrenden Lastwagen an. Wieder an der syrischen Grenze bekam ich das Visa wie letztes mal innerhalb einer Stunde und ich freute mich zurück zu sein, denn dieses Land ist mir wirklich ans Herz gewachsen, denn auch die Frauen bewegen sich hier freier als in anderen muslimischen Ländern und scherzen mit Männern herum.
8. Syrien, der Orient beginnt
Wegen dem syrischen Visa bin ich schon in Istanbul auf die Botschaft gegangen. Dort wurde mir gesagt dass ich nur ein Monatsvisa bekommen könne und nicht ein double- oder multiplyentry und noch ein Empfehlungsschreiben meiner Botschaft welches auch Geld kosten würde. Nach nochmaligem recherchieren im Internet lese ich einige Berichte von Radlern die an der Grenze das Visum ganz einfach bekommen haben. So wagen wir uns an die Grenze. Die letzten Tage auf dem Fahrrad haben wir immer wieder Witze darüber gerissen dass wir das Visa nicht bekommen werden da die Schweiz ein Minarettbau Verbot beschlossen hat. Minarett yok, visa yok. (Kein Minarett, kein Visa). Nach einer Stunde Wartezeit war es bezahlt und in den Pass gestempelt, weiter geht’s nach Aleppo! Doch schon wenige Meter nach der Grenze zieht das nächste Unwetter auf und bei strömendem Regen erreichen wir Aleppo noch kurz vor dem Eindunkeln. Duschen, Geld wechseln und Essen und somit sind die wichtigsten Dinge erledigt. Nach der Türkei bin ich nun in Syrien im wirklichen Orient angelangt und so bleibe ich eine ganze Woche in Aleppo und verbringe Stunden damit durch den engen Souk (Bazar) zu schlendern und die verschiedenen Stadtviertel zu erkundigen. Auch einen Besuch im Hamam gönne ich mir wieder. Von Aleppo brechen wir drei Radler getrennt auf. Gaetan wird nun nach Osten fahren, Roland nach Süden und kurze Zeid darauf hole ich ihn wieder ein. An Weihnachten besuchen wir eine Kirche, allerdings sind nur noch Ruinen zu sehen. So weit ich mich erinnern kann sind dies die ersten Feiertage meines Lebens in denen ich eine Kirche betrete und dies in einem muslimischen Land. Wieder einmal verabschiede ich mich von Roland mit der Vermutung dass sich unsere Wege bald wieder kreuzen werden. Mein nächstes Ziel ist Apamea, eine Stadt die von den Römern errichtet wurde und die gewaltigen Säulen welche die gepflasterte Hauptstrasse säumen sind immer noch zu sehen. Alleine unterwegs erfahre ich die Gastfreundschaft dieses Landes. Keine Nacht verbringe ich alleine. Einladungen gibt es genug. Die eindrücklichste war am Tag nach Apamea. Zuerst erfolgte eine Teeeinladung. Bald darauf kommt eine Verwandte welche englisch spricht und werde fast genötigt die Nacht bei ihnen zu verbringen. Nach der Dusche wasche ich meine wenigen dreckigen Kleider und kann die eine Tochter nur mit Mühe davon abhalten dies für mich zu tun. Nach dem Nachtessen ist ein Besuch bei der Grossmutter geplant. Ich sage zu, ohne zu wissen auf was ich mich da einlasse, den diese Familie, wie viele in Syrien, haben so um die 10 Kinder. Nach einigen Stunden habe ich die halbe Familie besucht. Es geht von Haus zu Haus, kaum habe ich meinen Tee getrunken muss ich ein Geschenk aussuchen oder es wird mir etwas in die Hand gedrückt und weiter geht’s ins nächste Haus wobei mir die halbe Verwandschaft folgt. Auch sehr wichtig sind die Fotos. in jedem Haus muss ich die versammelte Mannschaft vor kitschigem Hintergrund ablichten und auch von mir werden unzählige Fotos mit Handykameras geknipst. Wieder zurück folgt noch der Tee mit der Familie. Es werden Sonnenblumenkerne geknabbert, Früchte gegessen und Kaffee getrunken. Kaffee trinken ist in Syrien ein spezielles Ritual. Aus einer Thermoskanne wird in eine kleine Tasse ein winziger Schluck Kaffee gegossen und getrunken. Danach wird das ganze wiederholt bis die ganze Runde getrunken hat. Am nächsten Morgen möchte ich dann weiterfahren, doch die Familie möchte mich unbedingt noch eine Nacht als Gast behalten. Gegen Mittag habe ich dann meine Sachen gepackt und Wasser aufgefüllt um zu zeigen dass ich doch noch heute weiterfahren werde. Doch dann kommt der Sohn und berichtet mir dass er gerade mit seinem Motorrad drei Radler gesehen hat welche in ein paar Minuten hier vorbeifahren würden. So eile ich zur Strasse, begleitet von der Familie und sobald die Radler in Sichtweite sind stürmen wir alle auf die Strasse. Es stellt sich heraus dass ich sie schon kenne, den in Istanbul waren wir im gleichen Hostel abgestiegen. Schnell möchte ich mein Rad holen um mit ihnen mitzufahren, doch die syrische Gastfreundschaft lässt dies nicht so einfach zu. In der Zwischenzeit ist das Mittagessen aufgetischt und nochmals Tee und Kaffee. Ich habe unterdessen gelernt dass drängen nichts hilft und lasse die ganze Prozedur mit Spass über mich ergehen. Endlich geht es dann weiter. Die nächsten Tage geht es dann wieder in die Berge. Ich leide erbärmich. Die drei Radler sind mit wenig Gepäck unterwegs und sie Syrer bevorzugen keine Kurven in ihrem Strassenbau, egal wie steil es gerade bergauf geht. Mein kleinster Gang ist fast im Dauereinsatz. Beim „Crack des chevalier“, einer imposanten Festung begegnen wir dann wieder einmal Roland. Die Nacht zelten wir auf einem gemergeltem Parkplatz und es beginnt mal wieder wie aus Kübeln zu giessen in Begleitung eines Sturmes. Einige der Zelte sind plötzlich inmitten grosser Pfützen und müssen in einer Notaktion umplatziert werden. Ich habe meinen Standplatz zum Glück gut ausgewählt und stelle fest dass mein Zelt noch immer 100% dicht ist und auch dem Wind gut stand hält. Am nächsten Tag fahren wir alle zusammen bei Nacht und Regen auf der Autobahn bis nach Homs. Nicht weil wir wollen, sondern weil wir fast dazu genötigt wurden. Bei unseren Abendeinkäufen taucht plötzlich ein ziviles Militär- oder Polizeiauto auf. Das Gute daran ist dass die Kinderschar nun ein bisschen auf Distanz geht, denn vier Radler sind eine interessante Erscheinung. Der Nachteil allerdings ist dass wir von nun an eskortiert werden, vermutlich weil wir ziemlich nahe an der libanesischen Grenze sind. So ist es unmöglich anzuhalten und zu zelten. Erst als wir dann auf der Autobahn sind können wir alleine weiterfahren. Da es inzwischen stockdunkel ist und der Regen immer stärker wird freuen wir uns umso mehr auf eine Warme Dusche und ein Bett. So verbringe ich dann schliesslich Silvester und meinen Geburtstag damit mein Rad mal wieder gründlich zu putzen und geniesse das Feuerwerk von der Dachterasse des Hotels bei libanesischen Wein und einer Auswahl Kuchenstücke. Wieder mal mit Roland unterwegs geht es dann in die syrische Wüste nach Palmyra. Ortschaften gibt es praktisch keine, aber egal wo wir anhalten für eine Teepause es dauert nur wenige Minuten bis ein Auto anhält oder aus dem Nichts ein Beduine auftaucht. Unterwegs einen Schlafplatz zu finden ist eigendlich ziemlich einfach. Da man sich nirgens verstecken kann radeln wir einfach solange bis es eindunkelt und fahren dann ein paar 100m von der Strasse weg, so sind wir für die Autofahrer nicht mehr zu sehen. In Palmyra campen wir sogar am Rand der Ruinen und werden ausnahmsweise ziemlich in Ruhe gelassen. Nochmals geht es durch die Wüste Richtung Damaskus. Eine Nacht stellen wir unser Zelt in einem Wadi (Flussbeet) auf, doch leider haben wir nicht bemerkt dass wir uns in einem Militärgebiet befinden. So bewegen dann angelockt durch den Schein unserer Benzinkocher einige Taschenlampen auf uns. Aufgeregt durchsuchen sie dann unsere Zelte. Mir passt dies nicht so ganz, denn schliesslich liegen meine ganzen Wertsachen einfach so im Zelt herum, so gehe ich näher um zu sehen war er macht. Doch leider scheint dies die ganze Aufregung nur noch zu vergrössern und ernte laute Rufe „step back, step back“! So langsam werde auch ich immer nervöser. Doch glücklicherweise können sie sich bald Überzeugen dass wir keine Waffen versteckt haben und wir nur harmlose Touristen und keine Terroristen sind. Nachdem sie unsere Pässe für die Nacht behalten wollen lassen sie uns doch noch hier schlafen. Allerdings ist um 22.00 Uhr die Ruhe wieder vorbei und wir werden aufgefordert unsere Sachen zu packen und einig km weiterfahren, order from boss. In Damaskus haben wir uns trotz Stadtplan dann gewaltig verfahren uns fahren im Kreis herum bis wir dann doch ein tolles Hostel finden. Da Übernachtungen in syrien verhältnismässig teuer sind bin ich froh ein rooftopdorm gefunden zu haben. Da tagsüber die Temperaturen auf angenehme 20 Grad klettern lässt es sich sehr gut Leben und für die Nacht habe ich ja meinen warmen Schlafsack. Hier widme ich mich mal wieder meinen Rad zu. Mit Schrecken habe ich festgestellt dass meine hydraulische Vorderbrems so gut wie wirkungslos ist. Schon vor dem Losfahren habe ich mir überlegt ob ich doch V-Brakes montieren soll habe es aber gelassen. In Syrien ist es leider auch unmöglich Shimano-Ersatzteile zu finden. So hatte ich nichts zu verlieren und habe mich mithilfe einer Anleitung aus dem Internet meine Vorderbremse entlüftet und mit Öl nachgefüllt. Mit Roland als Handlanger ist mir dies zum Glück im zweiten Versuch auch gelungen. Auch ein Besuch bei der iranischen Botschaft war nötig um endlich mein Visa zu beantragen. Allerdings mit einer Wartezeit von 2 Wochen, aber anstatt zu warten werde ich das Visa auf dem Rückweg nach Jordanien abholen. Ungewollt bleibe ich dann doch eine Woche in Damascus hängen ohne viel Sightseeing zu machen, denn es ist mal an der Zeit mein all meine Sachen gründlich zu putzen und zu flicken. Auch sind unterdessen die Radler aus London und einige andere eingetroffen dass die restliche Zeit mit reden viel zu schnell vergeht. Bei heftigem Gegenwind kämpfe ich mich bis an die jordanische Grenze, wo mir mitgeteilt wird dass Roland eine Stunde vor mir hier vorbeigefahren ist. Es sieht so aus als ob wir uns nocheinmal begegnern werden, denn schiesslich haben wir die gleiche Route. Doch bevor sie mir den Ausreisestempel in den Pass stempelten musste ich mir noch Vorwürfe anhören, da das Visa nur zwei Wochen gültig war und ich ein Monat geblieben war. Doch da ich beim Immigrationoffice war wusste ich das ich im Recht war, denn dort wurde mir mitgeteilt es sei ein Monat gültig und ich müsse es nicht verlängern.
7.1 Istanbul
Da ich schon einmal mit dem Fahrrad nach Istanbul reingefahren bin, wollte ich mir das ersparen. Während gut 40km nur Schnellstrasse mit sehr viel Verkehr sind anstrengender als ein hoher Pass. So nahm ich schon von Plovdiv, Bulgarien den Nachtbus nach istanbul, schliesslich musste ich mich beeilen, da Luki, ein guter Freund mich dort besuchen wollte. Früh morgens fuhr dann der Bus in die Stadt rein, leider einige km ausserhalb der Stadt. Eigendlich wollte ich den Zug nehmen aber das erwies sich als sehr schwierig. Am Bahnhof wollten sie mir kein Ticket bis über die Grenze geben und das Reisebüro hatte gleich geschlossen. So blieb mir nichts anderes übrig als in Dunkelheit den Weg in die Stadt zu finden. mir blieb nur die Möglichkeit einige km auf der Autobahn zu fahren und nahm dann gleich die erste Ausfahrt. Danach probierte ich ans Meer zu gelangen wo ich mich wieder auskannte. Schliesslich erreichte ich dann doch endlich Stefans Wohnung wo ich schon letztes mal schlafen konnte. Hello my friend, hello beautiful girl, where do you come from? Ja, ich bin mal wieder an einem Touristenort und werde ständig angesprochen und sie probieren mich zu überreden in ihrem Restaurant zu essen. Manchmal sogar wenn ich gerade am Kebab essen bin. Auch die Souvenirverkäufer lassen mich nicht in Ruhe, aber mit einem freundlichen Lächeln gehe ich an ihnen vorüber und werde dann in Ruhe gelassen. Schliesslich ist es soweit und ich gehe Luki am Flughafen abholen. Viel zu früh bin ich dort und so aufgeregt als ob ich selber verreisen werde. Mit Mühe kann ich meine Tränen zurückhalten als wir uns in die Arme schliessen und er mir viele Grüsse aus Basel überbringt. Zusammen vebringen wir einige Tage mit Sightseeing und kann sogar schon ein bisschen Guide spielen da ich die Stadt unterdessen schon einigermassen kenne. Leider War das Wetter in dieser Zeit ziemlich regnerisch und viel zu schnell ist die gemeinsame Zeit zu Ende. Als ich Luki dann zum Bus bringe steckt mich ein Kloss im Hals und ich realisiere langsam dass meine Reise nun beginnt, immer weiter weg von zuhause. Kurz darauf werde ich von der Grippe eingeholt und muss noch eine weitere Woche in Istabnul bleiben. Danach ging ich noch für die letzte Nacht ins gleiche Guesthouse in dem Gaetan schon abgestiegen war. Ich kann mich nicht erinnern so viele tolle Leute angetroffen zu haben wie dort und so blieb ich noch ein paar Tage hängen. 3 Fahrradkuriere aus London, mit dabei eine Frau die ebenfalls so verrückt erscheint wie ich. Maude, eine Schweizerin die mir ein paar Tricks bei meinem Fotoapparat beigebracht hat. Roland, ein 50jähriger Schweizer ebenfalls mit dem Fahrrad unterwegs und viele andere so dass die Zeit nicht wirklich gereicht hat um mit allen intensiv zu Reden.
7.2 Türkei bis Kappadokien
Wie das letzte mal nehme ich die Fähre nach Yalowa um aus der Millionenstadt rauszukommen. Es ergibt sich dass Gaëtan und ich auf der gleichen Fähre sind. Durch Olivenhaine geht es am Iznik-See entlang. Nach 2 Tagen in der Ebene beginnt der Aufstieg aufs türkische Hochplateau auf gut 1000müM. Gleichzeitig beginnt das schlechte Wetter. Nieselregen und Nebel verhindern die Landschaft zu geniessen, die Sicht reicht gerade mal wenige Meter weit. Endlich oben angekommen wärmen wir uns in einer Çaystube (Tee) auf und bekommen Fladenbrot mit Frischkäse serviert. An diesem Tag kann ich endlich meine Regenhandschuhe testen, das ideale Wetter dafür. In einem grossen Supermarkt habe ich mir XL-Abwaschhandschuhe gekauft, garantiert Wasserdicht aber dafür schwitze ich darin ein bisschen. Hauptsache die Finger werden nicht so kalt. An diesem Abend werden wir eingeladen die Nacht bei einer Familie zu verbringen. Niemand spricht englisch, aber nach dem Abendessen sitzen und liegen wir auf dem Teppichboden und lernen mit dem Dixionaire ein paar türkische Wörter und unterhalten uns mit unserem kleinen Wortschatz und mit den Händen. Bei bewölktem Wetter geht es weiter und in der Grossstadt Eskişehir nutze ich die Gelegenheit um in einem Carrefour eine Thermosflasche zu kaufen. Leider sind wir schon ein bisschen spät dran und es dunkelt bald darauf ein. Die Schlafplatzsuche gestaltet sich ein bisschen schwierig denn die Aussenbezirke haben wir noch nicht hinter uns gelassen. als wir dann endlich eine kleine Seitenstrasse finden stehen am Strassenrand dutzende Autos mit Männern drin die am Bier saufen sind. So kehren wir um und finden zum Glück bald darauf einen kleinen Park voller Bäume wo wir uns verstecken können. Dies sollte die letzte Nacht ohne Frost sein für die kommenden Wochen. Am nächsten Tag löst sich der Hochnebel bald auf und endlich kommt die Sonne wieder hervor. Heute bin ich zu faul um wirklich vorwärtszukommen, ich geniesse es zu sehr die Wärme wieder zu spüren. Auf kleineren Strassen geht es ab Seyitgazi weiter. Sobald die Sonne untergegangen ist kurz vor 5 pm sinken die Temperaturen schon unter den Gefrierpunkt. Mein Benzinkocher läuft nur noch auf Sparflamme und so bleibt mir nichts anderes übrig als bei diesen frostigen Temperaturen den Kocher in seine Einzelteile zu zerlegen und zu putzen. Am nächsten Morgen geschieht ein Wunder und ich bin als erste aus dem Zelt und geniesse die schöne Morgenröte. Das Zelt ist eingeeist, um es schneller zu trocknen beginne ich das Eis wegzukratzen. obwohl ich selber nie ein Auto hatte kann ich nun nachvollziehen wie es ist die Windschutzscheibe vor dem Losfahren vom Reifen zu befreien ;) Bei einer Karawanserei halten wir an und werden gleich zum Essen eingeladen. Von der Frau werde ich mit Küsse auf die Wange begrüsst. Ofenfrisches Brot, Käse, Fleisch, Gemüse und weitere Sachen werden uns aufgetischt. Das Beste ist eine Art dicker Rahm der eher an Butter erinnert auf dem warmen Brot. mit Mühe können wir sie überzeugen dass wir noch weiterfahren möchten. Es stellt sich bald heraus dass meine Karte nicht wirklich genau stimmt oder es wurden in der zwischenzeit neue Strassen gebaut. Mithilfe des Kompasses entscheiden wir manchmal an Kreuzungen welchen Weg wir einschlagen sollen wenn keine Leute da sind zum fragen. Gegen den späten Nachmittag kommen wir in ein Dorf und die Leute sagen uns das wir in „Han“ sind. Leider gibt es auf meiner Karte zwei Dörfer mit diesem Namen, Han und Hanköy (Köy heisst Dorf). Diese Nacht werden wir eingeladen um im „Misafirhane“ zu schlafen. Dies ist ein Raum der der Gemeinde gehört und für Gäste bestimmt ist. Am nächsten morgen als wir den Schlüssel zurückgeben wollen ist das halbe Dorf versammelt, allerdings wie immer nur Männer und nach einigen Çay's können wir weiterfahren. Sobald wir wieder auf der Hauptstrasse sind geht es mit Rückenwind zügig voran. Doch die kleinen Strassen haben mir besser gefallen so probiere ich bald darauf wieder eine „Abkürzung“ zu nehmen. Gaëtan lässt sich auch diesmal überzeugen und so fahren wir wieder mal ins Ungewisse. Bei einer weiteren Teeeinladung zeigt die Frau auf ihre Hühner und fragt tatsächlich ob wir diese auch in der Schweiz haben. Leider hat es mich dann doch mal erwischt und sobald wir losfahren wollen bemerke ich dass ich hinten einen Platten habe. So bleibt mir nichts anderes übrig als das ganze Fahrrad abzuladen und den Schlauch zu wechseln. Leider ist das nicht die einfachste Aufgabe wenn drei Leute helfen wollen und ich habe eine ganze Stunde gebraucht bis das Fahrrad wieder startklar war. Am nächsten Tag musste ich die ganze Zeit an ein grosses Stück Fleisch denken das ich gerne gegessen hätte. Bald darauf kommen wir auf die grosse Strasse zurück und tatsächlich tauchen einige Restaurants auf. Wir bekommen eine grosse Pide (Pizza) mit viel Käse serviert, das Fett tropft nur so auf den Tisch und nehmen gleich noch eine Takeaway. In einer hügeligen Landschaft geht’s es weiter Richtung Tuz Gölü (Salzsee), leider werden die Hunde immer agressiver. Als dann in einem Dorf eine Bestie unsere Taschen attackiert und in meine sogar ein Loch reinbeisst habe ich danach meistens ein paar Steine in der Tasche um zu werfen. Aber meistens genügt es schon wenn ich nur die Hände in die Höhe nehme oder mit meinem Fahrrad ein Schlenker Richtung Hunde mache und sie weichen zurück. In Cihanbeyli leisten wir uns das erste mal seit Isanbul ein Hotel, leider muss ich bis zum abend warten bis die Heizung angestellt wird und und das Wasser zum Duschen heiss ist. In der Zwischenzeit nutze ich das gratis wifi. Am nächten Tag probieren wir dass eine weitere Abkürzung zu finden. Von der Hauptstrasse ein paar hundert Meter weg bis in ein kleines Dorf, überall werden wir von Hunden angebellt und verfolgt. Eine Frau probiert uns wie erwartet zur Hauptstrasse zurückzuschicken und wir geben schon fast auf als wir einen alten Mann sehen der der Frau wiederspricht. So fahren wir zu ihm und er drückt uns erstmals ein ofenfrisches Fladenbrot in die Hand und bestätigt uns dass dieser Schotterweg der in die Pampa führt den ist den wir nehmen wollen. Nach 20km wieder auf der befestigten Strasse kommen wir in eine Ortschaft in der anscheinend ein drittel der Leute in der Schweiz arbeitet. Wir kommen nur sehr langsam vorwärts, überall wollen die Leute mit uns reden oder zum Tee einladen. Wieder einmal kommen wir an einer Karawanserei vorbei, leider ist es schon fast abend und so beschliessen wir hinter einer Tankstelle zu zelten. nach dem Nachtessen verbringen wir noch einige Stunden in einem geheizten Raum bei Unmengen Çay und ich vervollständige mein Vokabular. nun bin ich in der Lage mich einigermassen auf türkisch zu unterhalten. Am nächsten morgen gehen wir zeitig zur Karawanserei und ich kann gerade noch ein paar Fotos machen bevor die ersten Cars mit Touristen eintreffen. Danach unterhalten wir uns noch mit den Kindern die Touristen Postkarten und Souvenirs verkaufen wollen. nachdem alle mal auf unseren Fahrräder gesessen haben können wir weiter. Am nächsten morgen bin ich zu faul um früh aufzustehen und so verabschiede ich mich von Gaëtan. kaum bin ich auf der Strasse zurück kommt mir schon ein Radler entgegen. Es ist Roland, einen Schweizer den ich in Istanbul getroffen habe und ich wollte mich mit ihm in Kappadokien wieder treffen. Keine Stunde vergeht und dann haben wir Gaëtan wieder eingeholt. Im Dreiergespann geht es weiter Richtung Göreme, dem Zentrum von Kappadokien. Die Nacht verbringen wir im Ilhara-Valley auf Permafrostboden, tags darauf unternehmen wir einen Tagesausflug im Tal und ich erkundige viele Löcher mit meiner Stirnlampe. Auch einige alte Kirchen mit Malereien gibt es zu bestaunen. die nächsten zwei Tage bis Göreme gleiten wir durch wunderschöne Landschaften, hinter und vor uns zwei Vulkane die etwa 4000m hoch sind. 7. 3 Türkei, Kappadokien bis zur syrischen Grenze Die ersten 2 Tage verbringen wir mit Tageswanderungen rund um Göreme bei Sonnenschein und angenehmen fast sommerlichen Temperaturen und lassen die bizarren Felsformationen auf uns einwirken. Je nach Tal verändert sich die Form der ausgewaschenen Felsen und auch die Farben. Fast alleine wandern wir auf kleinen Pfaden umher. Die nächsten Tage sind dann wieder Fahrrad putzen und flicken angesagt und auch sonst habe ich noch viele Dinge zu erledigen, von denen wie immer einige auf den nächsten Stop verschoben werden. Mit Roland zusammen fahre ich weiter und bei starkem Gegenwind kämpfen wir uns vorwärts. Nach 3 Tagen kommt dann unsere grösste Herausforderungen auf unserer Strecke. drei Pässe versperren uns den Weg, der höchste 2000müM. Mit dem letzten Tageslicht erklimmen wir den Pass und suchen nun schon in Dunkelheit einen Zeltplatz. Obwohl wir darauf geachtet haben dass uns niemand von der Strasse weggehen sieht kommen bald darauf zwei Typen die sich wichig machen wollen und etwas von „Policia“ murmeln. Obwohl sie uns dann doch in Ruhe lassen packen wir unsere Sachen zusammen und fahren ein Stück weiter um nicht in der Nacht von ihnen überrascht zu werden, den ich traue denen nicht über den weg und bin froh nicht alleine zu sein. Diese Nacht hat uns dann der Schnee doch noch eingeholt und wir befreien die Zelte von einer dünnen Schneeschicht. Bald nach der Weiterfahrt sind wir unter die Schneegrenze gelangt und die Sonne begrüsst uns wieder. Die hohe Bergkette die wir soeben hinter uns gelassen haben hält die Wolken zurück und wir sehen wie sie sich über die Berge schieben wie ein Wasserfall. Ich sehne mich langsam wieder nach einer Dusche und zu einer Nacht in einem warmen Zimmer würde ich auch nicht Nein sagen. Denn sobald die Sonne untergegangen ist sinken die Temperaturen unter den Gerierpunkt und nach dem Zelt aufstellen verschwinde ich sofort im Schlafsack und koche unterdessen in meinem kleinen Vorzelt. Auch die Tage sind inzwischen so kurz dass wir um 4 Uhr schon eine geeigneten Zeltplatz haben müssen. Uns wird versichtert dass es in einem Dorf wo wir in einer Tagesetappe erreichen können mehrere Hotels sind. Langsam beginnde ich mich darauf zu freuen und Träume von heissem Wasser. Doch sobald ich am päten Nachmittag das Dorf sehe wird mir sofort klar dass wir hier kein Hotel finden würden. Nach einer ergebnislosen Suche fahren wir ein Stück zum Dorf raus um mal wieder zu zelten. Diese Nacht sollte die kälteste in der Türkei werden und am morgen zeigt der Thermometer -9 Grad als Tiefstwert an. An diesem Tag sollte uns Gaetan wieder einholen der einen Tag nach uns gestartet war und ohne unsere Route zu kennen. Gemeinsam pedalten wir in die nächste Stadt und gönnten uns unser verdientes Hotelzimmer mit Dusche. In der Türkei werden wir meistens gefragt of wir verheiratet sind und bestätigen immer. Zu dritt nimmt diese Lüge aber schon fast abenteuerliche Formen an. Ohne uns vorher abzusprechen sage ich dass Roland mein Vater ist und Gaetan schliesst sich an dass er mit mir verheiratet ist. Die Geschichte wird uns fast immer abgenommen, obwohl wir unterschiedliche Nachnamen haben. Nur einmal wird nach den Hochzeitsdokumenten gefragt und ich muss alleine ein Zimmer beziehen. Doch vorher kehrten wir noch in einem „Pide-Salonu“ ein um eine türkische Pizza mit viel Käse zu essen. Schon vor Kappadokien bin ich der Versuchung erlegen und esse so oft Pide als möglich. Der nächste Tag bringt uns dann endlich wieder nach drei kalten Wochen unter 1000müM und die Frostnächte sind vorbei. Doch leider hat uns das Schlechtwetter wieder eingeholt und fahren bis zur türkischen Grenze mehr oder weniger in heftigem Regen. Die Nächte in günstigen Absteigen werden immer öfter. Doch bei einer Outdoor-Nacht sind wir bei der Zeltplatzsuche auf einem morastigen Weg komplett stecken geblieben. Mir bleibt nichts weiter übrig als die angesteckten Schutzbleche abzunehmen und den Schlamm mit den blossen Händen wegzukratzen damit die Räder wieder drehen können.
6. Das bulgarische Abenteuer
Da ich das letzte mal in Bulgarien hauptsächlich auf grossen Strassen unterwegs war, wollte ich dieses mal probieren auf kleineren Strassen vorwärts zu kommen. Nach einem weiteren Regenguss sieht das Wetter wieder ein bisschen besser aus und ich wage mich in die Berge. Schon bald bin ich in einer Sackgasse gelandet. Auf meine Frage wie ich in die nächste grössere Ortschaft komme die auf meiner Karte verzeichnet ist bekomme ich die Antwort dass ich wieder 20km zurück muss, doch ich gebe nicht so schnell auf, denn ich weiss dass es noch eine kleinere Strasse dorthin gibt. Während einer kurzen Essenspause kommt ein lokales Fernsehteam und beschliesst spontan mich zu interviewen. Ob es auch ausgestrahlt wurde weiss ich nicht. Schliesslich finde ich doch noch einen Wegweiser, leider wird darauf nicht das Kaff erwähnt wo ich hin möchte. So frage ich nochmals nach ob dies der richtige Weg ist. Da die Frau lange zögert mit der Antwort und mich und mein Fahrrad kritisch mustert weiss ich dass ich auf dem richtigen Weg bin. So fahre ich weiter und schon nach ein paar Metern ist der Asphalt beendet und die ausgewaschene Schotterpiste beginnt. Als dann noch ein schlammiger Abschnitt kommt muss ich mein Fahrrad mühsam voranschieben (wer sein Velo liebt, der schiebt) und dann in harter Arbeit vom Schlamm befreien damit die Räder wieder drehen. Das Abenteuer beginnt, es gibt kein zurück mehr. Als ich am späten Nachmittag in ein kleines Dorf komme werde ich sofort für die Nacht eingeladen, kurze Zeit darauf beginnt es schon wieder zu regnen. Am nächsten Tag werde ich noch aus dem Dorf begleitet und probiere ihn zum umkehren zu bewegen aber keine Change. Doch bald darauf bin ich sehr froh darum, denn es geht steil bergauf und obwohl er mir hilft das Rad zu schieben müssen wir alle 100m anhalten und verschnaufen. Wieder auf der Strasse angelangt kann ich fahren, doch schnell geht es trotzdem nicht voran. Entweder geht es bergauf oder die Piste ist voller grober Steine in den Abfahrten dass ich nicht viel schneller als Schritttempo unterwegs bin, aber ich geniesse es trotzdem sehr. Wieder auf der asphaltierten Hauptstrasse geht es über einen Pass. Ohne zu wissen wie hoch der ist fahre ich Stunde um Stunde aufwärts. Oben angekommen ist es ein paar Grad ueber Null und ich ziehe für die Abfahrt meine Regenkleider an. Diese Nacht beschliesse ich wieder zu zelten und die Zeit alleine zu geniessen und erlebe meine erste Frostnacht. Am nächsten Morgen sind die umliegenden Berg mit Schnee bedeckt. Wieder ein Tag nur aufwärts und meine Beine sind ziemlich müde. Ich fühle dass sich die nächste Krise anbahnt und lege öfters ein kurze Pause ein und kämpfe mich nicht sinnlos vorwärts. Endlich auf der Passhöhe finde ich ein kleines Bushäuschen welches ich zu meinem Nachtquartier erkläre. Trotzdem dass es sich gleich neben der Strasse befindet werde ich zum Glück nicht bemerkt. In einem engen Tal geht es viele KM bis zum Flachland nach Plovdiv. Dort angekommen nehme ich den Nachtbus nach Istanbul, denn die Zeit wird knapp da ich von einem Freund Besuch bekommen werde.
5. Mazedonien und Homemade Ayvar und Rakjia
Nach einem Pasta-Frühstück gings dann wieder in die Berge. Heute waren 2 kleinere Pässe auf der Route. Der Herbst hat mich eingeholt, die ersten Blätter beginnen sich zu verfärben, auch die Abfahrten sind spürbar kühler geworden. Nach dem ersten Pass kam ich ins Tal der Äpfel. Ueberall wird geerntet und einige Bäume sind noch voller leuchtend roter Äpfel. Beim nächsten Pass wurde ich von kleinen Moskitos begleitet die ich ständig zu verscheuchen versuchte, aber nach ein paar Sekunden schwirrten sie schon wieder vor meinem Gesicht herum. Danach kam das Tal der Peperoni und des Tabaks. Für mein Abendessen wollte ich in einem Dorf nahe der Hauptstrasse Gemüse einkaufen, aber in den kleinen Shops war nichts zu finden. Ein älterer Mann gab mir ein Tipp dass ich einfach zu einem Haus gehen und fragen sollte. Als ich ein Sack voller Peperoni sah habe ich mein Glück versucht und konnte mit Mühe überzeugen dass ich nicht mehr als 5 brauche. Auch ein paar grillierte wurden mir noch gebracht. Gleich daneben war ein Fleck Wiese das ideal zum zelten aussah und fragte ob ich dort eine Nacht schlafen kann. Schon während dem Zelt aufstellen wurde ich zum Kaffee eingeladen und das erste mal wurde mir eine heisse Dusche angeboten welche ich gerne annahm. Zum Znacht gabs Suppe mit einem kleinen Vogel, mehr hat das Jagdglück nicht hergegeben. Selbstgebrannten Rakjia gabs danach. Der war so gut dass ich gefragt habe ob ich vielleicht eine kleine Flasche davon haben könnte. Als Gegenleistung habe ich ihm ein Beutel Tabak geschenkt. Ich habe mich hier fast wie zuhause gefühlt und nicht wie ein Gast wie an anderen Orten wo ich eingeladen wurde. Am nächsten Tag wurde ich ein paar KM vor Veles meinem nächsten Stop vom Regen eingeholt. Wie froh ich war dass ich die nächsten Nächte bei einem Couchsurfer verbringen kann muss ich wohl nicht erwähnen. Ich habe ihn angeschrieben weil er auf seinem Profil schrieb er liebe elektronische Musik. Schlussendlich hat es sich herausgestellt dass wir die gleiche Musik mögen. Die nächten beiden Tage haben wir mit Reden Musik hören und Filmschauen verbracht, eine angenehme Abwechslung für mich. Ich hoffe wenn ich zurück in der Schweiz bin Ace als DJ einladen zu können. Leider bis jetzt nicht so einfach für Mazedonier in die Schweiz kommen zu können. Zum Abschied habe ich noch ein grosses Glas selbstgemachtes Ayvar geschenkt bekommen, eine Spezialität die aus Mazedonien kommt aber überall im Balkan und der Türkei zu finden ist. Ayvar ist ein Brotaufstrich aus gekochten Peperoni und Auberginen, aber auch sehr gut als Sauce für Reis. Ace konnte mir noch einen weiteren Couchsurfer empfehlen welcher genau eine Tagesetappe entfernt war. Die Strasse dahin sollte flach sein... Mit dem Auto realisiert man halt nicht wenn man kleinere Steigungen bewältigt. So habe ich an diesem Tag 1000hm bei Gegenwind zurückgelegt. Am nächsten Morgen hörte ich das Prasseln des Regens und habe 2 weitere Ruhetage eingelegt und das erste mal seit dem Beginn meiner Reise gar nichts gemacht. 4. Albanien und die wiedergefundene Freude am Radreisen Schon auf den ersten km in Albanien sind mir wiederf reundliche Gesichter begegnet, Leute haben gewunken und ich konnte es endlich wieder seit Tagen wieder geniessen zu radeln und meine Gedanken beschäftigen sich wieder von allein. Die nächsten km sind dann nur so an mir vorbeigeflogen, sicher auch weil es endlich wieder einmal flach war. Die letzten Tage haben zu den schlimmsten in meinem Leben gehört und und ich bin froh gute Freunde zu haben die mich durch diese Tage begleitet haben. Für mich ist nun klar dass dies nur eine schlimme Krise war und ich es geschafft habe daraus herauszufinden. Ich werde weiterradeln,vermutlich bis nach Asien. Ich bin nun aber ein bisschen vorsichtiger geworden mit meinen Plänen denn die nächste Krise kommt bestimmt, aber hoffendlich nicht mehr so schlimm. Wenn man zu zweit unterwegs ist kann man sich an schlechten Tagen einfach mitziehen lassen. Aber alleine kann man spontan entscheiden was man machen will und muss keine Kompromisse finden und die Begegnungen mit den Leuten sind intensiver. Gegen Abend habe ich mich frohen Mutes daran gemacht einen Schlafplatz zu finden und bin kurz vor Tirana in eine kleine Seitenstrasse eingebogen. Als ich einem älteren Mann begegnet bin der mich mit einem freundlichen Gesicht angeschaut hat habe ich mein Glück versucht und gefragt ob ich hier irgendwo zelten kann. Der hat mich zu seinem Haus geführt wo ein paar Frauen gemütlich auf der Treppe sassen und Kaffe getrunken haben. Sofort wurde mir ein Kaffee angeboten und bald darauf war ich umringt von neugierigen Leuten aus der Nachbarschaft welche die Verwandschaft des Mannes war. Da eines der Mädchen Englisch sprechen konnte, kam bald eine rege Unterhaltung zustande und sie konnte übersetzen. Ich war überwältigt von diesen Reaktionen und konnte nicht mehr verstehen wieso ich meine Reise aufgeben wollte. In Tirana wurde ich von einem Mann auf einem Motorrad begleitet der mich unbedingt zu einem Kaffee einladen wollte. Da ich ihn nicht loswurde habe ich zugesagt. Leider liess er sich immer noch nicht abwimmeln und er führte mich kreuz und quer durch die Strassen zum anderen Ende. So blieb mir nichts anderes übrig als in seinen Abgasen zu fahren. obwohl ich ihm immer wieder zu verstehen gegeben habe dass ich heute noch in die nächste Stadtfahren wollte führte er mich zu einem Hotel wohl in der Hoffnung dass ich eine Nacht mit ihm verbringen würde. Ich bin einfach weitergefahren und er wieder hinterher bergauf und musste aufpassen dass er mich nicht touchierte. Irgendwann hatte ich dann wirklich genug und habe angehalten und mich für seine Hilfe bedankt und angedeutet dass er verschwinden soll. Ich wurde immer lauter und unhöflicher und nach ein paar Minuten hat er dann endlich kapiert und ist davongerauscht. Der letzte Tag in Albanien ging es dann wieder lange bergauf bei über 30 Grad und einer sehr schönen Landschaft. Auch die Luft diean der Küste ziemlich verschmutzt war wurde endlich wieder besser. Nach derGrenze gings dann wieder runter in die erste Stadt (Orchid) in Mazedonien woich bei einem Geschäft von einem älteren Mann auf Deutsch angesprochen wurde.Sofort habe ich den schweizer Akzent gehört und konnte seit langem wieder mal schweizerdeutsch sprechen. Da es schon spät war habe ich gefragt ob ich in seinem Garten zelten kann und und konnte dann die Nacht bei seiner Familie im Haus schlafen.
3. Alleine weiter ab Mostar oder der Trip in die Einsamkeit bis Montenegro
Schon immer wollte ich wissen wie es ist alleine zu reisen und da mein Mitradler auf den nächsten km viele Stopps einlegen wollte dachte ich dies sei ein guter Zeitpunkt um alleine weiterzufahren. Ich wollte nicht zu viel Zeit verlieren vor der Türkei da mich dort Kälte, Regen und vermutlich der Schnee einholen würde.Nachmittags nach einem weiteren Sightseeing in Mostar gings dann weiter. Kribbelig, gespannt und ungewiss was mich erwarten würde,ähnliche Gefühle wie beim Start ab Basel., unfähig einen klaren Gedanken zufassen. nach 50km kam ich in eine kleinere Stadt und habe mein Nacht- und Morgenessen eingekauft und wollte am Stadtrand Leute fragen ob ich neben dem Haus zelten darf. Leider ohne Erfolg. überall wurde ich unfreundlich weggeschickt, so blieb mir nichts anderes übrig als aus der Stadt rauszufahren und einen versteckten Platz zu finden wo ich mein Zelt beim eindunkeln aufstellen konnte. Die Energie zum kochen fehlte mir und so habe ich mich in mein Zelt verkrochen. Als es schon längst dunkel war hat ein Auto an der Strasse angehalten und ich habe das Licht ausgeschalten um nicht gesehen zu werden, aber anscheinend wussten die dass ich irgendwo versteckt war und haben nach mir gerufen. Mit einem mulmigen Gefühl habe ich mein Pass und Pfefferspray gepackt und ging zur Strasse. Schliesslich hat sich herausgestellt dass die Männer nur wissen wollten ob alles in Ordnung war und wollten mich noch auf ein Bier oder Kaffee einladen, aber ich wollte nur noch schlafen. Am nächsten Tag war ich um 9 Uhr startklar, was für mich ziemlich früh war. Appetit hatte ich keinen, so bin ich ohne Morgen essen gestartet. Nach ein paar km steil bergauf musste ich anhalten und endlich was essen, ohne Lust habe ich mich gezwungen ein paar Stück Brot herunterzuwürgen. Mir war zum heulen zu mute und ich habe mich noch nie so einsam gefühlt wie in diesem Moment. Ich wollte nur noch nach Hause. Das erste Mal in meinem Leben habe ich heimweh verspürt. Ich war froh mein Handy dabei zuhaben und meinen Freunden zu schreiben die mich dann ein bisschen motivieren konnten. Weiter gings bergauf, endlos wie es mir vorkam, ohne Ende, begleitet von traurigen Gedanken. Ohne Erfolg probierte ich mich zu erinnern was mir sonst beim Radfahren durch den Kopf ging. Meine Gedanken waren blockiert. Kurz darauf kam meine Rettung. Ein Transporter welcher am Strassenrand geparkt hatte wollte mich bis in die nächste Stadt mitnehmen. Ich konnte nur nicken und habe nicht mal gefragt ob sie Geld dafür wollten, ich wollte nur weg von hier, möglichst schnell. Als ich sie beim fahren gefragt habe was sie hier machen und arbeiten war die Antwort in spärlichem Englisch:help people. Gerne hätte ich ihnen erklärt wie sehr sie mir damit geholfen haben mich ein Stück mitzunehmen und was es mir bedeutet hat. Schlussendlich wurde ich noch mit Essen und Trinken versorgt und konnte sie nur mit Mühe davon abhalten mich noch bis zur Grenze zu fahren was ein Umweg für sie gewesen wäre. Wieder mit ein bisschen Mut fuhr ich zur kroatischen Grenze und habe den ersten Anblick aufs Meer sehr genossen. Die Küstenstrasse war wieder eine Umstellung für mich. Starker Verkehr, Lastwagen die mich meistens sehr knapp überholt haben, Leute die mich ignoriert haben. Am gleichen Tag habe ich dann noch die Grenze nach Montenegro passiert. Es war schon dunkel als ich endlich im ersten Dorf angekommen bin und so habe ich mich entschlossen mir ein Sobe (Zimmer) zu leisten, denn ich wollte mir eine weitere Enttäuschung wie letzte Nacht ersparen. Auch fehlte es mir an unverfrorenheit an einem sehr touristischen Ort einfach irgendwo mein Zelt aufzustellen. Am nächsten Tag kämpfte ich mich ohne Freude weiter und ich hatte mir vorgenommen wenigstens bis Istanbul durchzuhalten. Der starke Verkehr, Lastwagenfahrer die höchstens vom Gaspedal gehen und nicht wegen einem Radfahrer bremsen und eine Plastikflasche die mir aus einem fahrenden Auto ins Gesicht geschleudert wurden gaben mir den Rest und mir warklar dass meine Reise in Istanbul zu Ende war. Während dem Fahren habe ich mir dann Gedanken gemacht wie mein Leben wieder zurück in der Schweiz aussehen sollte. Job suchen, Wohnung suchen und ich habe mich wirklich auf zuhause gefreut und war nicht traurig darüber dass ich es nicht bis nach Asien schaffen würde. Ich habe aufgegeben, vermutlich das erste mal in meinem leben habe ich kapituliert. Ich habe mich überschätzt und konnte mir das eingestehen. Das ganze letzte Jahr habe ich mich auf diese Reise gefreut und mein ganzes Leben danach ausgerichtet, aber es sollte nicht sein. Kurz vor der Grenze nach Albanien wurde ich erneut von einem Autofahrer, einem Einheimischen der seit 40 Jahren in den USA lebt,mitgenommen. Da er am nächsten Tag nach Albanien fahren wollte nahm ich sein Angebot an eine Nacht bei ihm zu schlafen. So hat er mich zu Mittagessen eingeladen und mich in der Stadt herumgefahren. Ich habe mich die meiste Zeit ziemlich unwohl gefühlt. Es kam mir so vor dass er seine neuste Eroberung präsentieren wollte. Früh am nächsten morgen ging es dann mit seinem Cousin bis zur albanischen Grenze. Wegen eines abgelaufenen Passes konnten sie diese aber nicht passieren, wo wurde ich kurzerhand abgeladen und er fuhr nach einem ziemlich knappen Abschied und zum Glück ohne nach meiner Adresse oder e-mail zu fragen davon. Trotzt der ganzen komischen Story die mindestens eine weitere Seite füllen würde habe ich wieder Mut gefasst meine Reise nach Istanbul noch ein bisschen zu verlängern.
2. Slowenien und Kroatien
Nicht wirklich viel ist passiert was sich lohnt zu erzaehlen. Besuch im Plitvicka Nationalpark in Kroatien war das groesste Highlight
1. Die Reise beginnt
1 .September 2009 Nach einer fast schlaflosen Nacht die ich mitpacken, neupacken und nochmals umpacken verbracht habe musste ich noch meine letzen Sachen zu meinem Vater bringen. Am Mittag war es dann endlich soweit und ich konnte mich auf mein schwerbepacktes Fahrrad schwingen(geschätze 5 kg Schokolade) und zur Kurierzentrale radeln. Dort habe ich dann meine Arbeit fürs kommende abgeholt. In jedem Land werde ich ein Brief abliefern, zu sehen auf der Homepage unter: meine Mission, Velokurier. Losfahren auf bekannten Strassen mit dem Wissen dass ich nicht vor einem Jahr wieder hier sein werde. Unterwegs habe ich noch einige Bekannte getroffen und besucht. Noch vor dem Hauenstein wurde ich von jemandem gefragt wohin denn meine Reise geht. Nach Osten. Wie weit denn? Bis es nicht mehr weiter geht. Wohin? Nach China, erst dann war er mit der Antwort zufrieden und hat mir viel Glück gewünscht. Die Tage in der Schweiz vergingen sehr schnell, so sehr war ich mit meinen Gedanken beschäftigt. Schliesslich war ich ein Tag zu früh am Seeli in Seelisberg, dem Treffpunkt wo ich mit Gaëtan,meinem Mitradler abgemacht habe. Zusammen gings dann runter zum Vierwaldstättersee. Leider war diese Routenwahl nicht die beste denn es ging etwa 300hm über endlose Stufen runter. Via Willhelm Tell in Altdorf weiter überden Klausen, meinem ersten Pass mit vollbepacktem Fahrrad. Die Nacht verbrachten wir auf dem Urnerboden und mussten am Morgen ziemlich schnell unsere Zelte packen denn die Kühe waren plötzlich überall. Am letzten Tag in der Schweiz kam mich noch mein Vater besuchen und so konnte ich noch den letzten Bürokram erledigen und ihm noch erklären für was die Zeit nicht gereicht hat. in Liechtenstein haben wir noch unsere letzten Schweizer Franken verprasst und ein Kebab bei einem Türken gegessen. Vor dem ersten Anstieg des Arlbergpasses haben wir dann unser Nachtlager aufgeschlagen. Bald kam eine Frau mit ihren Hundenvorbei und hat mit uns geredet. Eine Stunde später kam sie wieder vorbei mitihrer Tochter. mit vollbeladenen Armen sind sie aus dem Auto gestiegen und haben uns viele Medikamente, Essen und weitere Sachen geschenkt. Mit den Löffelbisquits habe ich dann in Innsbruck ein Tiramisu gemacht. In Innsbruck habe ich dann Andi, meinen letzten Mitradler wieder getroffen und die ersten Ruhetage verbracht. Die nächsten Tage waren dann leider ein bisschen regnerisch und tiefere Temperaturen, so waren wir froh dass wir in Saalfelden bei Andis Eltern die nächste Pause einlegen konnten und nicht zelten mussten. Am nächsten morgen waren die umliegenden Berge eingeschneit und da wir über den Grossglockner auf 2500müM fahren wollten warteten wir noch einen Tag. Das Glück war dann mal wieder auf unsererSeite und bei Sonnenschein und höheren Temperaturen nahmen wir derGrossglockner in Angriff. Bei starkem Gegenwind und mehr als 10% Steigung fehlte mir dann irgendwann die Kraft zum Fahren und begann zu stossen. Sybille, eine Touristin hatte zumGlück erbarmen mit uns und hat uns noch die letzten Höhenmeter mit dem Autohochgefahren. Wieder bei schlechterem Wetter gings über die Grenze via Italien nach Slowenien. Beim Lake Bled erholten wir uns von denbisherigen Strapazenund konnten unsere nassen Sachen trocknen.
7. Unterbruch und Heimkehr
am sonntag vor einer woche hatte ich meinen zweiten unfall hier in teheran innerhalb von 20km gerade mal vom ersten unfall erholt und das fahrrad repariert, war ich so froh endlich diese stadt hinter mir zu lassen. auf dem weg nach teheran geschah dann der naechste unfall. leier nicht mehr ganz so harmlos wie der erste. auf dem pannenstreifen wurde ich von hinten von einem auto angefahren und in die leitplanke geschleudert, diesen moment hab ich noch sehr genau in erinnerung. ich bin sofort aufgestanden da ich ja nicht genau wusste wo auf der autobahn ich mich wirklich befand und um aus dem gefahrenbereich zu kommen. andi kam sofort auf mich zugeeilt und schrie mich an ich sollte mich sofort hinsetzen. habe ihm geantwortet dass alles ok ist, nur ein paar zaehne fehlten. dass mein gesicht auch ein bisschen verrutscht war hab ich dann noch nicht realisiert. andi hat sich dann mutig auf die fahrbahn gestuerzt um ein auto anzuhalten. ein ehepaar mit einer tochter in unserem alter stoppte schliesslich und fuhr uns ins krankenhaus. im auto hab ich dann im rueckspiegel mein gesicht betrachtet, war ein komischer anblick. zum ersten mal hab ich den nutzen eines kopftuchs erfahren, so konnte ich wenigstens mein blut auffangen. auf dem weg ins krankenhaus war meine groesste sorge dass der schmerz anfaengt bevor ich schmerzmittel bekomme. denn mitlerweile hab ich das ausmass meiner verletzungen begriffen. leider war gerade rushhour uns somit ziemlich viel verkehr. die frau auf dem beifahrersitz hat verzweifelt versucht mit einem schal zu winken um den weg freizubekommen. leider haben es trotzdem viele autoraser nicht kappiert was mit uns los war. einer wollte uns sogar abdraengen und hat den stinkefinger gezeigt. da hab ich das tuch weggenommen und ihm mein gesicht gezeicht, der sah ziemlich geschockt aus und ist schnell im gewuehl hinter uns verschwunden ;) als ich dann andi gefragt habe ob er noch ein foto von mir machen koenne war das glaub doch ein bisschen viel fuer ihn. endlich im krankenhaus, bin noch selber reingelaufen bevor sie mich auf eine bahre verfrachtet haben, gings dann bald weiter zu diversen roentgenaufnahmen. andi und die familie welche uns ins krankenhaus gefahren haben, haben mitgeholfen die bahre zum lift, zum roentgen, wieder zurueck, wieder roentgen zu schieben. den nur ein einziger pfleger war doch ein bisschen ueberfordert damit. in der zwischenzeit war dann auch noch das paerchen aufgetaucht, bei welchen wir schon 2 wochen gewohnt haben. sie hat schon von zuhause aus telefonate mit freunden gefuehrt welche eine nasenoperation haben machen lassen. schliesslich wurde kontakt hergestellt mit dem besten schoenheitschirurgen von ganz iran. kurz darauf (4 stunden nach ankunft im krankenhaus) ging es dann endlich mit dem krankenwagen weiter in die schoenheitsklinik. ein paar minuten nach ankunft wurde ich dann schon in den operationssaal geschoben und der chirurg hat noch einige fotos von mir gemacht. als er die verletzte hautstelle schliesslich anhob konnte ich zum ersten mal in meinem leben meine nase ohne spiegel betrachten und sogar durch meine Nasenloecher das Licht sehen ;) nach 2 stunden war der ganze spuk vorbei und der arzt hat wahre wunder vollbracht. er hat mir mein gesicht wieder geschenkt und dies trotz einem stromausfall waehrend der operation. am gleichen abend konnte ich dann schon wieder selber aufs klo und habe nicht wie die anderen frauen mit den operierten naeschen links und rechts jemand gebraucht um mich zu stuetzen. schliesslich kann ich seit ich vier jahre alt bin ohne stuetzraeder radeln ;) ich weiss bis heute nicht wieso ich die ganze zeit so ruhig blieb und nie an mein spaeteres moegliches aussehen gedacht habe. ich denke dass ich das ganz bewusst versucht habe zu verdraengen. nach 2 tagen im krankenhaus konnten wir wieder zu dem paerchen zurueck welches uns schon 2 wochen beherbergt hat. ihnen habe ich viel zu verdanken, sie haben ihr allermoeglichstes getan, die ganze zeit. mein humor ist mir geblieben und noch ein bisschen schwaerzer geworden. und auch mein wille meine oder unsere reise fortzusetzen. leider bleibt mir nicht viel mehr uebrig als in die schweiz zurueckzufliegen. meine wunden im gesicht sind schon fast verheilt, doch brauch ich ein gutes gebiss um viel essen zu koennen fuer die weitere reise. ich werde die paar monate in der schweiz nutzen um noch ein bisschen mehr geld zu sparen. falls ich in asien immer noch so begeistert bin steht dann nichts mehr im weg noch rund um den globus weiterzuradeln. morgen frueh kann ich nun endlich zurueckfliegen. meine versicherung hat geduldig alles organisiert und zahlt mir einen businessclass flug ;) unterdessen habe ich mich damit abgefunden dass ich zurueck muss und freue mich darauf mit meinen freunden morgen abend ein kuehles bier zu trinken. andi fahert nun mit salva und alvaro weiter bis nach samarkand und fliegt dann von tashkent nach hause. naechsten fruehling werden wir dann gemeinsam unsere reise von tashkent aus weiterfuehren.
kurz nach der Operation